Digitale Chancen

Vorsprung durch neue Technologien

Von Jens Bartels · 2017

Erfolgreiche Unternehmen setzten deutlich stärker auf Digitalisierung.

Die Digitalisierung lässt innovative Geschäftsmodelle entstehen. Wer die Chancen des digitalen Wandels nutzt, wird zu den Gewinnern zählen.

Der digitale Wandel verändert den Alltag in vielen Unternehmen. Neue Mitarbeitende werden über das Tablet ausgewählt, Soziale Netzwerke spielen eine Hauptrolle in der Kommunikation mit den Kunden und Interessierte beteiligen sich am Innovationsprozess eines Unternehmens via Crowdsourcing. Die Umwälzungen sind gravierend. Unternehmen aller Branchen und Grössen sind von der Digitalisierung betroffen. Sie müssen aufgrund der neuen Technologien ihre Geschäftsmodelle grundlegend einer Prüfung unterziehen. Denn einerseits ermöglichen diese Technologien Innovationen und damit attraktive Wachstumschancen. Andererseits werden sie auch schnell zur Bedrohung traditioneller Wertschöpfungsansätze.

Passende Strategie finden

Das heisst: Wer den Kundenbedürfnissen auch auf lange Sicht gerecht werden möchte und zugleich den Anschluss an die Konkurrenz nicht verschlafen will, reagiert auf den digitalen Wandel.
Nur auf diese Weise erhalten Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit, können Kosten senken und ihre Effizienz steigern. Wer die Digitalisierung auf die lange Bank schiebt, verschwindet schnell vom Markt. Eines der grössten Probleme liegt darin, dass sich klassische Business-Modelle kaum flexibel auf neue und innovative Geschäftsmöglichkeiten übertragen lassen. Entsprechend hoch ist der Druck, eine agile Strategie für die Digitalisierung und die Entwicklung innovativer digitaler Produkte und Services zu finden. In der Schweiz kommen die am stärksten digi­talisierten Unternehmen oft aus der Telekommunikations- und Medienbranche sowie aus dem öffentlichen Sektor. Im Gegensatz dazu haben die Energie- und die Versorgungsbranche sowie der Gesundheitsbereich den grössten Rückstand. Auch die Grösse der Unternehmen spielt mit Blick auf den digitalen Wandel eine wichtige Rolle. So digitalisieren immer mehr Grossunternehmen erfolgreich ihre Kundenbeziehungen und Prozesse. Dagegen läuft der Digitalisierungsgrad der kleinen und mittelständischen Unternehmen stark auseinander.
Zudem konzentriert sich die Mehrzahl der KMU laut einer Studie von PwC Schweiz, Google Switzerland GmbH und «digitalswitzerland» bisher lediglich auf die Digitalisierung ihrer internen Geschäftsprozesse. Dabei steht der Kunde selten im Mittelpunkt: Nur 42 Prozent der KMU binden die Kunden in ihre Geschäftsprozesse ein.

Geschäftsmodell weiterentwickeln

Zu weiteren bemerkenswerten Ergebnissen kam eine zu Beginn dieses Jahres durchgeführte Um­frage des Beratungsunternehmens EY bei 700 Schweizer Unternehmen mit 30 bis 2’000 Mitarbeitenden.
Laut dieser Umfrage hat sich die Bedeutung von digitalen Technologien im Vergleich zum Vorjahr stark erhöht. Weit über die Hälfte setzt bereits auf digitale Technologien: 60 Prozent messen diesen eine mittlere bis grosse Bedeutung bei – im Vorjahr lag der Anteil noch bei 45 Prozent. Dabei setzen erfolgreiche Unternehmen deutlich stärker auf Digitalisierung als solche mit schlechter Geschäftslage und negativen Ge­schäftsaussichten. Für 62 Prozent der «Top-Performer» spielt die digitale Transformation eine sehr grosse oder eine mittelgrosse Rolle. Bei den weniger erfolgreichen Unternehmen sagen dagegen nur 30 Prozent, dass digitale Technologien für ihr Geschäftsmodell elementar sind. In diesem Zusammenhang sind übrigens kaum regionale Unterschiede feststellbar. «Viele mittelständische Unternehmen stehen am Scheideweg», lautet der Befund von Marcel Stalder, CEO von EY Schweiz. «Ein Teil der Unternehmen passt sich flexibel an die neuen Entwicklungen an. Diese schaffen es, durch innovative Produkte und Dienstleistungen ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Andere werden jedoch den Anschluss verlieren:
Sie investieren nicht genug in die Umstellung auf digitale Technologien, suchen zu wenig spezifisch nach geeigneten Mitarbeitenden oder vernachlässigen die Kulturentwicklung. Es droht der Schweizer Wirtschaft eine digitale Zweiklassengesellschaft.» Insgesamt lässt sich feststellen:
Je grösser das Unternehmen und je jünger die Geschäftsleitung, desto fitter ist es im digitalen Bereich. Klar ist dabei schon heute: Wer die digitale Transformation zur Chefsache erklärt und die komplette Geschäftsstrategie dem digitalen Zeitalter anpasst, wird zu den Gewinnern der Digitalisierung zählen.