Digitalisierung

KMU auf dem digitalem Prüfstand

Von Mark Krüger · 2018

Sind die Schweizer KMU im Digitalisierungsfieber? Laut einer Studie von EY lautet die Antwort: «Ja» – aber mit Einschränkungen. So sind etwa erfolgreiche Unternehmen weitaus offener für digitale Technologien.

Aktuell sieht die Marktsituation so aus: Die einen, die erfolgreichen Unternehmen, sind auf den digitalen Zug aufgesprungen, die anderen stehen noch am Perron. Das ist riskant. «Wir sehen im Schweizer Mittelstand, dass immer noch viele Unternehmen abwarten und zögern, die notwendigen Investitionen zu tätigen. Die ausbleibende Digitalisierung bei diesen Unternehmen kann sich schnell rächen und teilweise sogar die Existenz in Gefahr bringen, wenn die Unternehmen den Anschluss an den Wettbewerb verlieren oder unerwartet neue innovative Konkurrenten auftauchen», erklärt Andreas Bodenmann, Chief Digital Officer von EY in der Schweiz.

Kundenbeziehungen haben Priorität

Gemäss der EY-Untersuchung spielen nebst Kundenbeziehungen (68 Prozent) digitale Technologien für Schweizer KMU vor allem bei der Nutzung mobiler Endgeräte mit 57 Prozent sowie bei Verkauf und Bezahlung ihrer Produkte (52 Prozent) eine grosse Rolle. «Der Schweizer Mittelstand hat zum grossen Teil die Herausforderung verstanden und steht der Digitalisierung offen gegenüber», stellt Bodenmann fest. «Wir sehen bei unseren Kunden, dass viele Unternehmen ihre Prozesse optimiert haben und – besonders hinsichtlich Kundenbeziehungen – digitale Technologien nutzen. Sie passen sich flexibel an neue Herausforderungen an und modernisieren auch ihre eigenen Unternehmensabläufe.»

KMU fehlt das Geld

Auch wenn ein Trend zur Akzeptanz zu sehen ist, tun sich insbesondere kleinere Mittelständler noch schwer. Ihnen fehlen oft die Mittel, um ihre Produktion oder ihren Vertrieb umzustellen. Über 70 Prozent der Befragten sehen zwar keine grundsätzlichen Hindernisse, um in digitale Technologien zu investieren, allerdings hemmen begrenzte finanzielle Möglichkeiten 14 Prozent der Befragten, dringend nötige Investments zu tätigen. Zehn Prozent fehlt es an Know-how und neun Prozent an qualifizierten Mitarbeitenden. Dazu Bodenmann: «Viele Mittelständler können durch Digitalisierung in der Tat Geld, Zeit und Ressourcen sparen. Wenn es KMU an Geld und Personal fehlt, müssen sie ihre Flexibilität nutzen und – beispielsweise in Form von Kooperationen mit Forschungseinrichtungen – kreativ werden, um trotzdem mit der voranschreitenden Digitalisierung Schritt zu halten.»