Nachhaltigkeit

Das gute Gewissen baut mit

Von Tobias Lemser · 2015

Wer nachhaltig bauen möchte, kommt kaum am Rohstoff Holz – mit seinen vielen positiven Eigenschaften – vorbei.

Bauherren, die beim Hausbau auf nachhaltige Baumaterialien achten, schonen die Umwelt und sparen langfristig Energiekosten. Baustandards wie SNBS und Minergie geben wichtige Hilfestellungen.

Steigende Energiekosten, aber auch ökologische Gesichtspunkte wie der stetig fortschreitende Klimawandel sind für eine steigende Zahl an Bauherren ausschlaggebend, energieeffizient und nachhaltig zu bauen - eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass immer mehr Bauunternehmungen auf alternative Angebote setzen.
Doch wann kann ein Haus als nachhaltig bezeichnet werden und was gilt es für Standards einzuhalten? Schliesslich ist nachhaltiges Bauen ein weitreichendes Gebiet, in das zentrale Themen der nachhaltigen Entwicklung, wie Energie und Klimaschutz, Mobilität, städtebauliche Qualität, Nutzung natürlicher Ressourcen sowie soziale Faktoren zusammenfliessen.
Ein Standard, der hierzulande auf einer freiwilligen Verpflichtung zu hohen Qualitätszielen in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt basiert, ist der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz, kurz SNBS. Demnach gilt ein Gebäude als nachhaltig, wenn es etwa mit einem Minimum an nicht erneuerbaren Energien auskommt, zudem minimale Treibhausgasemissionen verursacht und die Erstellung sowie der Betrieb ressourcen- und umweltschonend erfolgen. Doch diese Bauweise ist nicht nur eine Frage des geringen Energieverbrauchs und der damit einhergehenden Wertsteigerung, Nachhaltigkeit hat auch etwas mit Lebensqualität und Wohlbefinden zu tun.

Minergie schweizweit erfolgreich

Basis für den Standard SNBS sind die bestehenden Instrumente und Hilfsmittel wie zum Beispiel SIA 112/1 «Nachhaltiges Bauen - Hochbau» oder Minergie, das für einen höheren Wohnkomfort, eine verbesserte Werterhaltung und deutliche Energiekosteneinsparungen steht. Mit fast 40`000 zertifizierten Bauten Ende 2014 hat sich Minergie auf dem Schweizer Baumarkt als erfolgreichster Baustandard etabliert.
Wer sich für ein Minergie-Haus entscheidet, hat die Wahl zwischen verschiedenen Standards: Während beim Basisstandard der allgemeine Energiekonsum nicht höher als 75 Prozent gegenüber einem durchschnittlichen Gebäude liegen darf, wird beim Minergie-P-Standard eine Niedrigstenergiebauweise mit optimal gedämmter Gebäudehülle vorausgesetzt. Minergie-A zeichnet Neubauten aus, die nahezu keine Energie für Raumheizung, Lufterneuerung und Wassererwärmung verbrauchen.
Noch ökologischer ist die Eco-Variante, bei der neben Effizienz auch die Ressourcenschonung wichtig ist. So wird etwa auf Lösemittel in Anstrich und Kleber sowie auf Formaldehyd bei der Holzverleimung verzichtet.

Holz: Der Alleskönner im Bau

Apropos Holz: Wer nachhaltig bauen möchte, kommt kaum an diesem Rohstoff vorbei. Insbesondere in Niedrigenergie-Häusern ersetzt Bauholz energetisch aufwändig hergestellte Baustoffe wie Beton oder Metall. Nicht nur deshalb, auch aufgrund seiner weiteren zahlreichen positiven Eigenschaften spezialisieren sich immer mehr Architekturbüros und Bauunternehmungen auf dieses Baumaterial. So ist Holz fast so druckfest wie Beton, schalldämmend, langlebig und kann zudem Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Anwendung findet der Alleskönner im Block-, Rahmen- und Massivholzbau sowie als Fussbodenbelag, Fassaden- und Wandverkleidung.

Mehr als nur klare Sicht

Und nicht nur da: Auch im Fensterbau kommt Holz zum Einsatz - entweder allein oder in Kombination mit Aluminium. Die zentrale Aufgabe der Fenster liegt vor allem darin, Energieverluste zu reduzieren und die Wärmegewinnung zu optimieren. Zu den effektivsten Bauteilen - gerade bei der solaren Energiegewinnung - zählen Fenster mit hochwertiger Isolierverglasung. Je höher der sogenannte g-Wert ausfällt, desto mehr solare Energie kann das Haus erwärmen. Ebenso wichtig: Um künstliches Licht einzusparen, sollten grosse Fenster auf der Süd- und kleine auf der Nordseite platziert werden.
Kommen im Aussenbau Ziegel und Lehm als Baustoffe sowie Flachs, Hanf oder Schilfrohr als ökologische Dämmstoffe infrage, liegen im Innenbereich Naturfasern für spezielle Teppiche im Trend. Für die Wände eignen sich Naturwandfarben auf ökologischer Basis.
Fakt ist: Im Bau auf ökologische Materialien zu setzen, schont die Umwelt und spart Energie. Allein darauf zu achten, reicht jedoch nicht aus. Denn Nachhaltigkeit beginnt bereits mit dem Herstellungsprozess und endet mit der Entsorgung: So wird künftig eine der grossen Herausforderungen darin liegen, in der Produktion die Kohlendioxidemissionen zu reduzieren sowie Baustoffe so zu produzieren, dass sie sich am Ende der Wertschöpfungskette leicht rezyklieren lassen.