Nationaler Zukunftstag

Werbetrommel rühren für einen «Seitenwechsel»

Von Nadine Effert · 2017

Um dem Fachkräftemangel in der Schweiz entgegenzuwirken, muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. Auf einer von ihnen steht «Stereotype Rollenbilder». Sie schränken den Nachwuchs in ihrer Berufswahl ein.

In den kommenden zehn Jahren werden der Wirtschaft Hunderttausende von Arbeitskräften fehlen. Aktuell hat fast jedes dritte hiesige Unternehmen Mühe, gelerntes Personal zu rekrutieren. Besonders stark ist der Fachkräftemangel in den MINT-Branchen und in Bereichen, in denen die Digitalisierung rasch voranschreitet. Die Gründe sind vielseitig und reichen vom demografischen Wandel über schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu nicht ausreichenden Fördermassnahmen für ältere Arbeitskräfte und Führungspersonen. Der Blick durch die allein volkswirtschaftliche Brille reicht jedoch nicht, wie die grösstenteils noch immer existierenden stereotypen Rollenbilder zeigen. Frauen in ICT-Berufen? Männer in Gesundheitsberufen?
Das hat Seltenheitswert, obwohl beiden Geschlechtern grundsätzlich dieselben Ausbildungsgänge und beruflichen Laufbahnen offenstehen.

Abbau von Geschlechter-Barrieren

Die Seiten wechseln, Ungewohntes erkunden, untypische Arbeitsfelder entdecken – diese Chance bietet der jährlich im November stattfindende «Nationale Zukunftstag», ein interkantonales Kooperationsprojekt der Gleichstellungsfachstellen und – kommissionen. Auch in diesem Jahr haben Tausende von Mädchen und Jungs der 5. bis 7. Klasse ihre Eltern an den Arbeitsplatz begleitet oder sich an spannenden Spezialprojekten wie «Mädchen-Technik-los!» beteiligt.
Während die Mädchen ihr handwerkliches Geschick erprobten oder Waldberufe kennenlernten, schlüpften die Jungs für einen Tag in Berufe zum Beispiel der Pflege und sozialen Arbeit oder in die Rolle eines Coiffeurs. Und wer weiss, vielleicht hat der ein oder andere Teilnehmer nun den Mut, eine Berufswahl gemäss seiner tatsächlichen Interessen und Talente zu treffen – und nicht aufgrund des Geschlechts. Vor allem die MINT-Branchen dürfte das freuen.