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Grusswort

Unternehmensnachfolge: Ein Stolperstein?

Von Roland M. Rupp, Schweizer KMU Verband · 2017

Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass eine «Überalterung» der Firmeninhaber kommt, über 80‘000 Firmen vor der Nachfolge stehen und zahlreiche Firmen wohl mangels geglückter Nachfolgeregelung liquidiert werden müssen.

Sorge um die Nachfolge: Nicht jede Firma eignet sich dafür, weitergeführt zu werden.

Auf den ersten Blick würde dies ja bedeuten, dass jede sechste Firma – die Schweiz zählte Ende 2016 rund 535’000 Firmen – vor dem Problem der Nachfolge steht. Aber auch wenn einige dieser Firmen einen geeigneten Nachfolger finden, das Geschäft an den eigenen Nachwuchs übergeben oder mittels Management-Buy-Out eine Weiterführung gewährleisten können, so wäre die Zahl trotzdem noch enorm. Teilweise wird von 80‘000 Firmen gesprochen, welche aktuell – also nicht erst in fünf oder zehn Jahren – vor dem Problem der Nachfolge stehen. Wenn man sich nun ein bisschen mit diesem Thema beschäftigt und im Internet recherchiert, so merkt man schnell, dass aber nur ein ganz kleiner Teil dieser Firmen einen Firmenverkauf wirklich in Betracht zieht. So hat das wohl grösste und bekannteste Portal für Firmenverkäufe in der Schweiz gerade mal 140 Verkaufsangebote publiziert. Wo also sind all die anderen Firmen?

Wenn Statistik auf die Realität trifft

Bei all diesen Zahlen wird aber eines immer wieder vergessen: Seit Jahren beträgt die Zahl der Neugründungen konstant um die 30’000 Firmen pro Jahr. Die meisten Firmen werden dabei eher von jüngeren Personen zwischen 30 und 45 Jahren gegründet. 30’000 Firmen, dies entspricht etwa fünf Prozent aller Betriebe in der Schweiz. So sind nach fünf Jahren nicht nur 150’000 Firmen neu gegründet worden (davon gehen übrigens nur etwa drei Prozent Konkurs innerhalb der ersten fünf Jahre), sondern das Durchschnittsalter der Firmeninhaber hat sich auch nach unten verschoben und 25 Prozent der Firmen beschäftigen sich eher mit Expansion als mit der Nachfolge.

Welche Firmen stehen vor dem Problem der Nachfolge?

Vielfach liegt das Problem einer geeigneten Nachfolgelösung nicht bei den Emotionen, denn der Wert einer Firma wird meistens anhand des wirtschaftlichen Wertes berechnet und emotionale Gegebenheiten werden nur am Rande in die Berechnung miteinbezogen. Es scheitert schlichtweg daran, dass sich nicht jede Firma dazu eignet, von anderen Personen weitergeführt zu werden. Beispiel: Fahrlehrer. Erfolgreich haben sie sich ihr Geschäft selbst aufgebaut und betrieben. Aber lohnt es sich für einen jungen Fahrlehrer, einen solchen Betrieb zu übernehmen? Warum nicht selbst starten, Fahrzeuge beschriften, Visitenkarten drucken, Werbung im Amtsblatt machen? Viele Firmen haben keine Stammkundschaft und genau diese ist ja interessant bei einer Firmenübernahme. Von dieser Art gibt es so manche Betriebe. Auch im Informatikbereich treffen wir eine ähnliche Situation an. Viele gute Informatiker haben sich selbstständig gemacht und sind auch als Kleinstbetrieb gut aufgestellt. Doch kann man einen solchen Betrieb verkaufen?

Den meisten Stammkunden kommt es auf eine persönliche jahrelange Beziehung an. Für einen Nachfolger ist es sehr schwer abzuschätzen, ob die Kunden bleiben. Eine Gewährleistung gibt es nicht und somit ist das Risiko für den Nachfolger vergleichsweise hoch. Es gibt eine dritte Gruppe von Firmen, bei welchen eine Nachfolge nicht ganz einfach ist. Das sind Ladengeschäfte und Firmen, welche gerade mal so viel Umsatz und Gewinn erwirtschaftet haben, um die Inhaber und Mitarbeiter zu bezahlen. Denn beim Verkauf müssen ja die Anschaffungskosten ebenso amortisiert werden, und in den meisten Fällen kommen weitere Investitionen hinzu.

Der Grund: Firmen, die vor dem Verkauf stehen, haben meistens nicht mehr gross investiert oder müssen ein wenig modernisiert werden – in Bezug auf das Erscheinungsbild, der Werbung und im Vertrieb. Ein Beispiel ist ein kleines Blumengeschäft. Gute Lage, seit zehn Jahren vor Ort und ein Jahresumsatz von 200’000 Franken bei einer Produktmarge von 50 Prozent. Bei 100’000 Franken Erlös und 30’000 Franken Miete und 10’000 Franken Neben­kosten bleiben nur 60’000 Franken als Gehalt übrig. Der Verkaufspreis wäre hier bei etwa 7’000 Franken anzusetzen und somit kaum lohnenswert. Einigt man sich aber auf einen höheren Betrag (schliesslich hat ja die bisherige Inhaberin zehn Jahre davon gelebt) von rund 20’000 Franken, so würde dies bedeuten, dass die Amortisation rund 50 Monate dauern würde, da man kaum mehr als 400 Franken abzahlen könnte. Müssen wir also Angst haben, dass die Schweizer Wirtschaft plötzlich zusammenbricht, da viele Firmen wegen fehlender Nachfolge aufgelöst werden und wir plötzlich in eine Rezession geraten? Die Antwort lautet aktuell: nein.

Zum Autor

Roland M. Rupp
Vizepräsident
Leiter der Geschäftsstelle

Schweizerischer
KMU Verband

T: +41 (0)413480330

Der Schweizerische KMU Verband – Sprachrohr der Schweizer KMU – Aktiver Partner bei Fragen und Problemen

www.kmuverband.ch