Arbeitssicherheit

Kantone prüfen Mitarbeiterschutz genau

Von Kevin Tschierse · 2017

Arbeitsschutz ist eine gute Investition.

Verstösse gegen die Arbeitssicherheit nehmen zu – die eidgenössischen Unternehmen gehen immer sorgloser mit der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden um. Dabei schaden sie sich am Ende selbst.

Keine Schutzhelme auf der Baustelle, schlechte Lichtverhältnisse, fehlerhafte Erfassung der Arbeitszeiten – immer mehr Unternehmen ver­stossen gegen das Arbeits- und Unfallversicherungsgesetz. Im vergangenen Jahr haben die kantonalen Arbeitsinspektoren dreimal mehr Mahnungen sowie rund ein Drittel mehr Verfügungen ausgesprochen und auch ein Drittel mehr Anzeigen erstattet, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im September mit. Und das, obwohl die Inspektoren im Jahr 2016 weniger Betriebe besucht haben als im Vorjahr. Nur 13’661 Schweizer Firmen mussten den Arbeitsschutzexperten Rede und Antwort stehen. Die Ursache der Steigerung ist noch nicht eindeutig geklärt. Nach den Vermutungen von Valentin Lagger, Leiter des Ressorts Eidgenössische Arbeitsinspektion beim SECO, waren viele Kantone in den Jahren zuvor eher nachsichtig und versuchten, Verstösse gegen die Arbeitssicherheit ohne offizielle Massnahmen zu klären. «Vielleicht setzten gewisse Kantone 2015 vermehrt auf Dialog und Beratung, wo sie ein Jahr später schneller Massnahmen ergriffen.»

Unfälle können teuer werden

Diese Massnahmen sind aber immer auch im Sinne des Betriebs selbst. Denn zu seinen Fürsorgepflichten gehört es, die Gesundheit der Mitarbeitenden zu bewahren und zu fördern – und das nicht nur, weil sonst Strafen drohen. Denn natürlich hat ein Betrieb auch ein ökonomisches Interesse an gesunden und motivierten Mitarbeitenden. Fallen sie über Monate aus – weil sie sich zum Beispiel von einem Arbeitsunfall erholen müssen – kann das für Unternehmen teuer werden.
Die Absenz des Mitarbeitenden hat sowohl direkte als auch indirekte Kosten: So müssen Unternehmen nicht nur den Lohn weiterzahlen, obwohl die Arbeitskraft fehlt. Bei mehrwöchigem oder gar -monatigem Ausfall müssen sie auch für Ersatz sorgen oder anderen Mitarbeitenden Überstunden auftragen. Dadurch steigern sich die Absenzvollkosten um bis zu 250 Prozent, hat Compasso, das Online-Portal des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, ermittelt. Investiert ein Unternehmen dagegen in ein besseres Gesundheitsmanagement und vor allem in die Arbeitssicherheit, entgeht es diesen Mehrkosten und steigert so den Unternehmensgewinn – und letztlich auch die Mitarbeiterzufriedenheit.