Externe Beratung

Informationslücken schliessen

Von Mark Krüger · 2017

Es ist eines der wichtigsten Projekte eines Unternehmers: die Übergabe seines Lebenswerks. Der Nachfolgeprozess kann sehr komplex sein und erfordert daher externe Unterstützung – auf beiden Seiten.

Kleines Unternehmensnachfolge-Glossar

EBIT
Earnings Before Interests and Taxes, also Gewinn vor Steuern und Zinsen. Auch operatives Geschäfts-ergebnis oder operativer Gewinn genannt. Wird als Massstab bei der Unternehmensbewertung auf schuldenfreier Basis verwandt.

 

Management-Buy-In (MBI)
Übernahme eines Unternehmens durch ein externes Management. Häufig im Zusammenhang mit Nachfolgeregelungen, etwa durch Einstieg eines Geschäftsführenden Gesellschafters mit Kapital.

 

Management-Buy-Out (MBO)
Übernahme eines Unternehmens durch das bestehende Management-Team. Dies kann als Übernahme eines gesamten Unternehmens oder eines Unternehmensteils, der dann ausgegliedert wird, erfolgen. 

 

Mergers & Acquisitions (M&A)
Die Bezeichnung Mergers and Acquisitions ± zu Deutsch Fusion von Unternehmen und Erwerb von Unternehmen beziehungsweise Unternehmensanteilen ± steht für alle Vorgänge im Zusammenhang mit der Übertragung und Belastung von Eigentumsrechten an Unternehmen. 

 

Owner-Buy-Out
Verkauf eines Unternehmens unter Rückbeteiligung des oder der Alteigentümer. Ziel ist häufig, einen Teil des im Unternehmen gebundenen Vermögens zu liquidieren, um so eine bessere Diversifikation des persönlichen Vermögens des oder der Alteigentümer zu erreichen, ohne vollständig den Gesellschafterstatus zu verlieren. 

Für Schweizer KMU ist die Unternehmensnachfolge relevanter denn je. Der Grund: Etwa eines von acht KMU ist derzeit konkret mit den Herausforderungen einer Nachfolge konfrontiert. In anderen Worten: Über 70’000 KMU müssen ihre Nachfolge in den nächsten fünf bis zehn Jahren regeln und damit so einige Hürden nehmen. Wer kommt als Nachfolger infrage? Wie komme ich mit der hohen (Arbeits-)Belastung in dieser Phase zurecht? Was ist mein Unternehmen wert? Buy-in oder Buy-out? Welche gesetzlichen oder steuerrechtlichen Regelungen sind relevant? Die Liste an offenen Fragen und somit möglichen Stolpersteinen ist lang. Umso wichtiger, nicht nur frühzeitig Ziele und Zeitpunkt für die Nachfolge zu planen, sondern sich bei Bedarf Expertise von aussen mit an Bord zu holen. Die Fragestellungen, die mit einer Nachfolge verknüpft sind, reichen von steuerrechtlichen, unternehmensrechtlichen und finanziellen Aspekten bis hin zu strategischen und betriebswirtschaftlichen Themen.

Defizite bei Steuern und Unternehmenswert

Laut einer Studie der Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften St.Gallen (FHS) ist der Bedarf an externen Beratungs- und Informationsleistungen grundsätzlich vorhanden. Der «KMU-Spiegel 2015. Unternehmensnachfolge bei Schweizer Klein- und Mittelunternehmen» brachte jedoch auch zutage, dass der Bedarf zu den unterschiedlichen Themenbereichen sehr unternehmensspezifisch und abhängig vom Wissen der Beteiligten sei. Die Übergeber suchen vor allem Unterstützung bei steuerrechtlichen Fragestellungen (ca. 21 Prozent), aber auch die Bestimmung des Unternehmenswertes (ca. 17 Prozent) sowie rechtliche Aspekte (ca. 15 Prozent) scheinen gemäss Untersuchungsergebnissen für KMU wichtige Themen zu sein, bei denen externe Beratung gefragt ist. Dieses Ergebnis mag nicht überraschen, ein anderes hingegen schon. Laut Studienautoren sei es verwunderlich, dass zum Thema Suche und Auswahl eines geeigneten Nachfolgers nur bei etwa jedem zehnten KMU relevanter Unterstützungsbedarf besteht. Dabei geht der Trend eindeutig weg von einer internen hin zu einer externen Nachfolge.

Unterschiedlicher Bedarf an Unterstützung

Werfen wir noch einen Blick auf die andere Seite der Medaille, auf der die Übernehmer stehen. Wo sehen sie Bedarf an Unterstützung? Bei ihnen stehen die Themen Finanzierung der Unternehmensübernahme sowie steuerrechtliche und weitere rechtliche Aspekte ganz oben auf der Agenda. Die Verfasser des KMU-Spiegels deuten das Ergebnis mit einem erhöhten Bedürfnis nach Stabilität und klar geregelten Verhältnissen.

Fazit: Externe Unterstützung ist in vielen Fällen notwendig, um den Grundstein für eine erfolgreiche Nachfolge zu legen. Fehler können zu Unternehmenskrisen bis hin zur Betriebsaufgabe führen. Die meisten KMU tun also gut daran, sich auch damit auseinanderzusetzen, auf welche Beratungsdienstleistungen sie während des Übergabeprozesses zurückgreifen können – und sollten.