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Institutsbeitrag

Dynamik in der Bauwirtschaft lässt nach

2015

Die vergangenen Jahre waren in der Bauwirtschaft von einer starken Dynamik gekennzeichnet. Diese wird sich in den kommenden Jahren abschwächen. Der Markt ist geprägt von steigenden Leerständen und verhaltenen Erwartungen für die zukünftige Nachfrage.

Vor allem die Wohnbautätigkeit sollte sich im Vergleich zu den vergangenen Boomjahren abschwächen. Der Wohnungsbau ist derzeit gekennzeichnet durch die Auswirkungen des Zweitwohnungsgesetzes, den Unsicherheiten hinsichtlich der Einführung der Schutzklausel und den Verhandlungen mit der EU zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, aber auch von den günstigen Finanzierungsbedingungen aufgrund des niedrigen Hypothekarzinssatzes. Die Zuwanderung führt zu einer anhaltenden Nachfrage nach Wohnungen und Immobilien. Allerdings steigt auch die Leerstandsquote weiter an, sie liegt in diesem Jahr bei 1,2 Prozent.

Unsicherheit im Wirtschaftsbau

Die Aufwertung des Schweizer Franken nach Aufhebung des Mindestkurses und der Rückgang der Neuansiedlung von Firmen belasten den Wirtschaftsbau. Zudem bremsen steigende Leerstände, fallende Mieten und Nettorenditen. Die Anzahl der Baugesuche des industriell-gewerblichen Baues ist in der ersten Jahreshälfte eingebrochen - vor allem im Bereich Hotellerie und Einkaufszentren. Einen positiven Impuls liefert das Grossbauprojekt «Circle» am Flughafen Zürich, dessen Realisierung Ende letzten Jahres beschlossen wurde. Auch die Investitionen der pharmazeutischen Firmen in Basel und im Kanton Solothurn stützen den Wirtschaftsbau. Bis 2017 ist jedoch mit keiner deutlichen Belebung dieser Sparte zu rechnen. Eine rege Bauaktivität ist dagegen im Bereich Spitäler und Bildung zu verzeichnen. Die Zuwanderung vor allem von jungen Arbeitnehmern und Studenten in den vergangenen Jahren hat die Nachfrage nach Krippen-, Kindergarten- und Schulplätzen sowie universitären Einrichtungen erhöht. Die alternde Bevölkerung führt zu einem gesteigerten Bedarf an Spitalplätzen sowie Alters- und Pflegeheimen. Allerdings wird dieser Sektor in den nächsten Jahren etwas an Kraft einbüssen, wie die niedrigere Zahl der Baubewilligungen gegenüber dem Vorjahr signalisiert.

Tiefbau gewinnt an Zuversicht

Im Tiefbau wird sich der Bahninfrastrukturfonds (FABI) positiv auswirken. Die Vorlage soll am 1. Januar 2016 in Kraft treten und umfasst den Ausbau der Bahninfrastruktur von 6,4 Milliarden Franken. Die Investitionen sollen vor allem das Schweizer Bahnnetz leistungsfähiger machen. Insbesondere wird die Geschwindigkeit auf bestimmten Strecken gesteigert, die Personenkapazität erhöht sowie das Verkehrsangebot erweitert. Da bisher die Aufträge bei den Tiefbaufirmen und Ingenieuren nur schleppend eingegangen sind, könnten sich die positiven Effekte bis ins Jahr 2017 strecken. In den Umfragen der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich fällt die Einschätzung der Geschäftslage der Tiefbaufirmen nach einer langen Talfahrt seit Kurzem wieder positiver aus. Dämpfen könnten die Umsetzung die derzeit diskutierten Sparpakte auf Bundesebene und eine mögliche ausbleibende Gewinnausschüttung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an die Kantone.

Konsolidierung im Bausektor

Insgesamt prognostizierte die KOF im September 2015 einen Anstieg der Bauinvestitionen für 2016 von 0,7 Prozent und einen Rückgang im übernächsten Jahr um 0,1 Prozent. Die KOF geht weiterhin von soliden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Bausektor aus. Die Entwicklung des verfügbaren Einkommens und die Erwerbsituation bleiben stabil. Die Unsicherheit aufgrund der Einführung der Schutzklausel zur Masseneinwanderungsinitiative, der Frankenschock, Sparbemühungen des Bundes und die Auswirkungen des Zweitwohnungsgesetzes lassen allerdings auch keine Wachstumsphantasien zu. Die Zuwächse der letzten Jahre werden deswegen nicht mehr erreicht.
Die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) publizierten Zahlen der Bauinvestitionen für das dritte Quartal 2015 waren mit einem Rückgang von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal niedrig, weshalb das gesamte Jahr 2015 deutlich schwächer ausfallen könnte als 2014. Die Flüchtlingswelle machte sich in den letzten Monaten in gestiegenen Asylanträgen auch in der Schweiz langsam bemerkbar. Dies dürfte zukünftig die Nachfrage nach Wohnraum und insbesondere die Renovation von bestehenden Gebäuden erhöhen. Deswegen könnten sich die Aussichten für den Bausektor in den kommenden Jahren im Vergleich zur letzten Prognose etwas verbessern. Die neue Prognose der KOF wird am 17. Dezember 2015 veröffentlicht.

Zur Autorin

Anne Kathrin Funk
Bereichsexpertin Bau
KOF Konjunkturforschungsstelle, ETH Zürich

Die KOF ist das älteste Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut.
Ihre Forschung und Beiträge zur wirtschaftspolitischen Themen sind unabhängig und kompetent.

www.kof.ethz.ch