Unternehmensnachfolge

Die Zukunft der kleinen Firmen

Von Frank Wagner · 2017

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge gelingt selten ohne die Unterstützung externer Berater.

Die meisten Schweizer Betriebe sind Familienunternehmen, die Chefs oft schon Ende vierzig. Oft ein grosses Problem, denn übernahmewillige Erben sind oft nicht vorhanden, die Zukunft der Firmen ungewiss.

Laut einer aktuellen Studie (2017) des Wirtschaftsdienstes Bisnod D&B werden in den nächsten fünf Jahren fast 14 Prozent aller Schweizer Unternehmungen die Unternehmensnachfolge zu regeln haben. In der Schweiz sind 99 Prozent aller Firmen kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Wiederum fast 90 Prozent hiervon sind Familienbetriebe, für die ein Besitzerwechsel eine besonders grosse Herausforderung darstellt. Tatsächlich suchen Familienbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern am häufigsten Nachfolger: Von den 490’497 durch Bisnod untersuchten Unternehmen dieser Grösse waren es 68’671 (14 Prozent), bei den 40’679 Unternehmen bis
49 Mitarbeiter immerhin noch 5’588 (13,7 Prozent). Wenn der Chef eines solchen Betriebes, meistens in der Rechtsform einer Einzelfirma, nicht mehr kann oder will, steht nicht nur privates Vermögen auf dem Spiel. Nicht selten sind Arbeitsplätze oder sogar die Existenz des gesamten Betriebes gefährdet, wenn die Suche nach einem Nachfolger nicht erfolgreich verläuft.
In letzter Konsequenz müssen dann auch wirtschaftlich erfolgreiche Firmen schlicht liquidiert werden. Verlust an Know-how für die ganze Branche, eine Belastung für die öffentlichen Kassen und manchmal auch ein struktureller Schaden für die jeweilige Region sind dann oft die Folgen.

Tausende Firmen wechseln die Besitzer

Von den erfolgreichen Übergaben finden laut Bisnod-Studie derzeit immerhin noch 40 Prozent innert der Familie statt. Eine andere Studie der Universität St.Gallen (HSG) und der Agentur Ernst & Young hatte allerdings bereits 2012 festgestellt, dass etwa zehn Prozent potenzieller Unternehmenserben gar nicht an einer Übernahme interessiert sind, auch wenn die Fähigkeiten vorhanden wären. Viele Unternehmerkinder wollen lieber eigene Firmen gründen als auf den eingetretenen Pfaden der Eltern weiterzuarbeiten. Aber auch ein passender externer Nachfolger findet sich nicht immer zum richtigen Zeitpunkt. Wichtig für viele Unternehmer ist der Erhalt des Firmennamens oder einer Unternehmensphilosophie. Auch sollen doch möglichst alle Mitarbeiter bleiben dürfen, und Übernahmen durch direkte Konkurrenten sollten verhindert werden.
Könnten diese doch über kurz oder lang auch das Ende der Firma bedeuten.
Die Übergabe an nicht-verwandte Firmenangehörige erscheint zwar oft als zweitbeste Lösung, lässt sich aber nur in 20 Prozent aller Fälle realisieren. Es ist schwer jemanden zu finden, der sowohl die passenden Fähigkeiten als auch den Mut zum finanziellen Risiko mitbringt. Denn sobald kein Erbe im Spiel ist, bleibt die Einigung auf einen Kaufpreis die grösste Hürde. Insbesondere bei kleineren Betrieben lässt sich der tatsächliche Wert nur sehr schwer beziffern. Zwischen den häufig emotional geprägten Preisvorstellungen des Verkäufers und der finanziellen Schmerzgrenze des Käufers liegen oft Welten.

Rechtzeitige Planung und Beratung

Jeder Unternehmer sollte sich früh wie möglich, spätestens mit 50, mit dem Thema Nachfolge beschäftigen. Auch Unternehmenszahlen sollten beizeiten so aufbereitet werden, dass sie einen repräsentativen Eindruck vermitteln. Denn statistisch dauert der Prozess einer Firmenübergabe zwischen 1,6 (extern) und 6,6 Jahren (familienintern), so Bisnod D&B. Das wird oft nicht bedacht, und wenn die Zeit erst mal drängt, schwächt dies die Verhandlungsposition.
Professionelle Beratung in diesem Prozess ist unbedingt empfehlenswert. Und das sowohl bei einer externen als auch bei einer familieninternen Nachfolge.
Denn bei letzterer verschwinden «die Alten» nur selten sang- und klanglos aus ihrem Unternehmen. Vermeintlich unterschiedliche Fähigkeiten, Prinzipien und Eigenarten in der Betriebsführung lösen dann nicht selten einen Streit aus.
Neue Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten hingegen werden oft ausgebremst. Sich vor der Übergabe über Fragen der Strategie, Markt- und Finanzoptionen klarzuwerden, kann viel Ärger vermeiden helfen. Auf Nachfolgefragen spezialisierte Unternehmensberater bieten hier wertvolle Unterstützung.