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Unternehmensbeitrag / Interview

«Der Faktor Zeit ist das wichtigste Kriterium»

Von PwC Schweiz · 2017

Früher oder später muss sich jeder Unternehmer zwangsläufig mit seiner Nachfolge beschäftigen. Dr. Marco Tremonte und Norbert Kühnis von PwC Schweiz über die Wichtigkeit dieses Prozesses.

Was sind typische Stolpersteine bei der Nachfolge?

Tremonte: Zu den grössten Herausforderungen gehören sicherlich der richtige Zeitpunkt und die Preisfrage. Wir stellen in der Praxis immer wieder fest, dass sowohl der familieninterne wie der externe Nachfolgeprozess sehr spät aufgegleist werden und teilweise stark divergierende Preisvorstellungen bestehen. Die Staffelübergabe von einer Generation auf die nächste oder der externe Verkauf ist ein langer, komplexer Prozess. Vielen Unternehmern fällt es schwer, sich emotional von ihrem «Kind» zu lösen. Das ist verständlich. Umso wichtiger ist es, dass die Nachfolge frühzeitig thematisiert wird. Der Fokus muss weg von der Person hin zur Weiterführung des Unternehmens.

Kühnis: Wichtige Fragen sind: Gibt es geeignete Nachfolger innerhalb der Familie? Bringen diese die richtigen Qualitäten und Erfahrungen mit? Wollen sie überhaupt die Nachfolge antreten und die Verantwortung für das Familienunternehmen übernehmen? Wenn diese Fragen nicht eindeutig mit Ja beantwortet werden können, steht eher ein externer Verkauf oder eine Kombination von interner und externer Nachfolge im Vordergrund.

Warum ist es wichtig, die Nachfolge früh in Gang zu setzen?

Kühnis: Je kürzer der Zeitraum bis zur Übergabe desto weniger Handlungsspielraum hat der Unternehmer. Bei vielen Familienunternehmen, welche seit Generationen bestehen, gibt es oft verschiedene Anspruchsgruppen innerhalb der erweiterten Familie. Hier ist es wichtig zu verstehen, wer welche Rolle spielt und wer welche Ansprüche hegt. Steht ein Verkauf ausserhalb der Familie an, gibt es wiederum ganz andere Gesichtspunkte zu beachten.

Tremonte: Wenn zum Beispiel die Wirtschaftslage schwierig ist oder der Unternehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen muss – etwa aufgrund schlechter Gesundheit–, hat er bei den Verhandlungen das Nachsehen. Dann ist es schwierig abzuwarten und auf bessere Zeiten zu hoffen. Anders ausgedrückt: Je mehr Zeit zur Verfügung steht desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen zu einem angemessenen Preis übergeben beziehungsweise verkauft werden kann.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und worum geht es bei der Vorbereitung?

Tremonte: Ein Patentrezept für den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Ratsam ist es sicherlich, mit Anfang 50 die ersten Überlegungen zur Nachfolge anzustellen. Zu den Hausaufgaben gehört es etwa historische Zahlen konsistent aufzubereiten und einen plausiblen Businessplan zu erstellen. Wer kommt als potenzieller Nachfolger oder Käufer infrage? Das alles braucht seine Zeit. Mal rasch einem interessierten Käufer eine Bilanz in die Hand drücken, ist definitiv keine Basis für Gespräche.

Kühnis: Während es bei der internen Nachfolge nicht um die Maximierung des Preises geht, sondern primär um transparente Leitlinien und eine fundierte Informationsgrundlage in der Familie, kann der Preis bei einer externen Nachfolge zum Dreh- und Angelpunkt werden.

Was für Hürden gilt es hier zu nehmen?

Tremonte: Der Übergeber überschätzt oftmals den Wert seines Unternehmens, in das er über viele Jahre hinweg nicht nur viel Herzblut gesteckt, sondern auch viel investiert hat. Der Nachfolger wiederum möchte nicht einen zu hohen Preis bezahlen müssen, das Risiko gering halten und interessiert sich für das Zukunftspotenzial, künftige Cashflows und Marktchancen. Da kommen also zwei Parteien mit unterschiedlichen Preis- und Wertvorstellungen an einen Tisch. Eine realistische Einschätzung des Unternehmenswertes ist das A und O, um seriös vorbereitet in die Verhandlungen einzusteigen. Familienintern ist bei der nächsten Generation auch das Kapital noch gar nicht vorhanden, einen angemessenen Kaufpreis zu bezahlen und der Nachfolger muss sich stark verschulden – via Bankfinanzierung und Verkäuferdarlehen.

Warum kommt es oft zu langen Verhandlungen?

Tremonte: Ganz einfach, weil es keinen absolut «richtigen» Unternehmenswert gibt. Auch für Unternehmen gibt es einen Markt, auf dem Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Somit ist der Kaufpreis das Ergebnis längerer, teils zäher Verhandlungen zwischen Verkäufer und Käufer. Von Vorteil ist es, mehrere Interessenten an der Hand zu haben. So erfährt der Unternehmer, wie der Markt gerade «tickt», und läuft nicht Gefahr, seine Firma unter Wert zu verkaufen. Und das trägt nebenbei auch zum Familienfrieden bei.

Im Interview

Dr. Marco Tremonte

Leiter
Nachfolgeplanung
PwC Schweiz

www.pwc.ch/nachfolge

Im Interview

Norbert Kühnis

Leiter
Familienunternehmen und KMU
PwC Schweiz

www.pwc.ch/kmu