Restrukturierung

Auf Wachstumskurs bleiben

Von Nadine Effert · 2017

Eine deutliche Zunahme an Restrukturierungsfällen wird erwartet.

Zwei Drittel aller Schweizer Unternehmen befassen sich mit dem Thema Restrukturierung. Was sind die Gründe? Und was sind in Restrukturierungsfällen die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Turnaround?

Die Schweizer Wirtschaft steht, bedingt durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, immer wieder vor grossen Herausforderungen. Beispiele aus jüngerer Vergangenheit gibt es zu Genüge: sei es Chinas bis vor Kurzem lahmende Konjunktur, der Austritt der Briten aus der Europäischen Union (BREXIT) im Juni dieses Jahres oder der Frankenschock.
Die gute Nachricht: Dank des aktuell schwächeren Franken und der derzeit stabilen globalen Konjunktur dürfte die Schweizer Wirtschaft weiter wachsen: Laut UBS-Ökonomen in diesem Jahr um 0,8 Prozent und in 2018 um ganze 1,8 Prozent. In sicheren Gewässern schippert die Alpenrepublik damit nicht, denn es gibt auch andere Faktoren, welche einen Einfluss auf den Wachstumskurs nehmen können.

Haupttreiber: Digitalisierung und Branchenkonsolidierung

Schweizerische Unternehmen ausbremsen können laut «Restrukturierungsstudie Schweiz 2016» vor allem diese weiteren Faktoren: Nach Ansicht der von Roland Berger befragten Experten steigt nämlich der Druck durch die zunehmende Digitalisierung und disruptive Innovationen (30 %) sowie dem anhaltenden hohen Kostenniveau der Schweiz (27 %) in vielen Branchen.
Vor allem betroffen sind der Schweizer Tourismus, die Konsumgüterindustrie sowie Banken und Versicherungen. Viele Branchen der «Old Economy» sehen sich mit einem weiterhin hohen Konsolidierungsdruck konfrontiert (20 %).
Kurz zurück zur Digitalisierung. «Es ist längst keine Frage mehr, ob wir von der Digitalisierung betroffen sind. Die Frage ist, wie gut wir uns auf Veränderungen einstellen und wie schnell wir uns anpassen können», stellte Martin Blessing, President UBS Switzerland, kürzlich in Zürich fest – auch mit Blick auf die Ergebnisse einer Umfrage aus seinem Haus. Insgesamt 2’500 Unternehmer oder Personen in leitender Funktion wurden im Rahmen der UBS-Studie befragt. Von ihnen bestätigen rund 41 Prozent, dass die Digitalisierung ihre Geschäftstätigkeit stark oder sehr stark beeinflusst und erhebliche Anpassungen am Geschäftsmodell notwendig macht. Dabei werden entsprechende Investitionen von der Mehrheit der Unternehmer als strategischer Entscheid betrachtet. Bei 44 Prozent werden die Investitionen in Digitalisierung in den kommenden fünf Jahren steigen.

Restrukturierungsfälle: Komplexität nimmt zu

Der wachsende Druck auf die Schweizer Wirtschaft durch genannte Treiber lässt sich auch in der Restrukturierungspraxis ausmachen: Anzahl und Komplexität der Restrukturierungsfälle werden weiter steigen, so die Meinung der von Roland Berger über 50 befragten Restrukturierungsexperten aus der Schweiz. «Die Schweizer Wirtschaft sieht sich trotz moderaten Wachstums weiterhin substanziellen Risiken ausgesetzt», meint Philipp Angehrn, Managing Partner von Roland Berger in Zürich, in der Pressemittelung. «Seit der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 haben sich zahlreiche Firmen zwar auf die neue Situation eingestellt, dennoch haben viele Unternehmen noch immer keine nachhaltige Strategie formuliert.» Vor diesem Hintergrund erwartet die Mehrheit (84 %) der Befragten in den kommenden zwölf Monaten eine steigende Zahl von Restrukturierungen. Über 40 Prozent glauben zudem, dass die Komplexität der Restrukturierungsfälle zunehmen wird.

Neuausrichtung: Digitalisierung von Geschäftsmodellen

Zudem sind die Experten sich darin einig, dass ein Restrukturierungskonzept ohne Einbezug der digitalen Transformation nicht nachhaltig erfolgreich sein kann. Und: 41 Prozent sehen strate­gische Restrukturierungsmassnahmen gegenüber operativen und finanziellen als wichtiger an. In deren Fokus stehen die Anpassung von Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsstrategien sowie die technologische Aufholung. Fazit: Nachhaltige, insbesondere strategisch durchdachte Restrukturierungskonzepte, welche die Digitalisierung als Chance nutzen – trotz der mit ihr einhergehenden Herausforderungen –, sind entscheidend für die Sicherung von Wettbewerbsvorteilen und einen nachhaltigen Turnaround.